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1. – 3. 08.2019


Mit Daniel Galda von [de:ad:cibel]
Redakteur: Roman Golub

 

[de:ad:cibel] sind [da:ni:el ga:ld:a] und [ar:mi:n kue:st:er]. In einem Interview hat Daniel einiges zu ihrer EP Multitasker und anderen spannenden Themen erzählt.

 

 

Ihr seid nach einer längeren Pause zurück. Es ist zu hören, dass die Umstände der Pause nicht so erfreulich waren. Kannst du uns etwas darüber erzählen?

 

Daniel: Unsere letzte Veröffentlichung hatten wir 2013 in Form der "Solar Plexus" E.P.. Danach waren sich Armin und ich einig, dass wir uns eine Pause von deadcibel gönnen wollten. Armin hatte sehr viele musikalische Baustellen und Projekte, an denen er arbeiten wollte. Unter anderem seine andere Band "Diskarnate" und sein Solo-Projekt "Solar Powered Vampyre". Daneben hatte er mehrere Studioaufträge für Soundtracks deutscher Underground Horrormovies. Er war hier musikalisch voll ausgelastet und empfand diese Phase auch als Herausforderung. Im Jahr 2015 haben wir uns dann zusammen gesetzt und planten die weitere Vorgehensweise für deadcibel. Daraus resultierte dann Anfang 2016 die erste Studiosession. Zwei oder drei Tage nach dieser Studiosession kam dann der Schicksalsschlag. Armin brach zusammen und erlitt ein Aneurysma im Kopf. Bedeutet, dass eine Ader im Kopf platzte und mehrere Hirnkammern mit Blut vollliefen. Was folgte, waren Not-OP´s, längere Koma-Phase und ein sehr langer Reha-Aufenthalt.

 

 

 

 

Das bedeutet, dass Armin sehr viel Glück hatte...

 

Daniel: Es ging um Leben und Tod. Gott sei Dank ist der Notarzt sehr schnell vor Ort gewesen und die OP lief reibungslos. Aber auch in der Phase nach der OP sah es lange Zeit nicht gut aus. Armin war an Beatmungsmaschinen angeschlossen. Er konnte natürlich nicht laufen, kaum sprechen, war phasenweise halbseitig gelähmt usw... Aber er ist ein Kämpfer und hat in dieser Phase nicht aufgegeben.

 

 

 

 

Wie sah dann der Weg zurück ins Studio aus? Kannst du uns etwas zum Entstehungsprozess eurer aktuellen "Multitasker" EP berichten?

 

Daniel: Wenn man wie Armin ein Aneurysma im Kopf hatte, geht dies mit großen Gedächtnislücken einher - und diese waren dann auch im Studio erkennbar. Seine Frau berichtete mir, dass er beim ersten Gang ins Studio nicht mehr wusste, wie das Studio mit allen Elementen hochgefahren wird. Er muss sich momentan immer noch das Studio-Know-How, mit allem was dazu gehört, zurück erarbeiten - also Software, Synths, Arrangement, Harmonielehre, die ganzen Tricks und Kniffe beim Produzieren und Mischen, die sehr auf Erfahrungswerten beruhen, usw... Demzufolge war der Weg zu "Multitasker" sehr steinig. Bis wir die letztendliche Version hatten, war es ein längerer Prozess.

 

 

 

 

Was bedeutet euch euer aktueller Release Multitasker nach dieser sechsjährigen Zwangspause?

 

Daniel: Natürlich bedeutet es uns viel. Wie gesagt, die ganze Geschichte hätte ja auch viel schlimmer enden können... Letztendlich sind wir froh, dass wir wieder gemeinsam im Studio sitzen und kreativ sein können. Oder, dass wir wieder mit unseren Fans korrespondieren können. Wenn das Ganze auf einmal keine Selbstverständlichkeit mehr ist, merkt man erst, wie sehr man es eigentlich schätzt und wie sehr die Persönlichkeit dadurch geprägt wurde. Von daher ist dieses erste Release nach dieser Zeit natürlich ein wichtiger Baustein in unserer bisherigen musikalischen Laufbahn. Eine Art Neuanfang...

 

 

 

 

Wie geht ihr generell beim Songwriting vor? Oder anders gefragt, wie fügt ihr Text und Musik zusammen?

 

Daniel: Wir wohnen circa 450 Kilometer auseinander. Diese Distanz beeinflusst natürlich auch unsere Arbeitsweise. Bei uns entstehen die Stücke meist nicht in direkter Zusammenarbeit. Armin schreibt kurze Instrumentale und schickt sie mir zu. Meist suche ich mir aus diesen Songbeispielen eines aus, was mir gefällt und schreibe dazu einen Text. Oder ich habe schon einen Text geschrieben und schaue, welcher Text auf welchem Song passen könnte. Dabei achte ich auf Stimmung oder passendes Metrum. In regelmäßigen Abständen treffen wir uns dann, um Text und Musik zusammen zu führen. Dann arbeiten wir auch gemeinsam das Grundarrangement aus. Dann ist die Studiosession vorbei und Armin produziert die Songs weiter aus. Das ganze Feintuning, Producing und Mastering übernimmt dann er.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was wollt ihr mit dem Song Multitasker aussagen?

Daniel: Wir leben in einer Welt, in der alles perfektioniert wird... Jeder und alles muss reibungslos funktionieren. Multitasking oder Multiprofessionalität sind dabei für mich Unwörter, die ein Ideal hochstilisieren, dem kaum einer gewachsen scheint. Aber es scheint verpönt, hier offen sagen zu dürfen - hey Freunde, das ist mir zu viel... Das wird in der Arbeitswelt sehr schnell als Schwäche ausgelegt. Der Text handelt von einer Person, die sich ständig einredet, Jawohl - I can handle it... und damit den Druck auf sich selbst ins Maßlose steigert. Dass das Ganze dann natürlich im Burnout oder in totaler Leere endet, muss nicht erwähnt werden. Diesen Punkt versuchen wir mit der Musik darzustellen, die sich vom "Lärmfaktor" im Laufe des Songs immer mehr steigert.

 

 

 

 

Wie seid ihr auf den Gedanken gekommen, Trommeln in dieses Stück einzubauen? Was wollt ihr damit ausdrücken?

Daniel: Wenn von Perfektionierung der Arbeitswelt oder von Gesellschaften die Rede ist, dann habe ich schnell ein Bild von wuselnden Japanern im Kopf. Also beispielsweise Bilder von Tokyo, mit seinen reibungslosen Abläufen. Menschenmassen in den Straßen - sehr diszipliniert, leistungsorientiert, zielstrebig und anonymisiert. Das Thema Multitasking und der Song an sich sollte für mich eine Brücke schlagen, eben in diese scheinbar perfekt organisierte Welt Japans. Da kamen wir auf die Idee, dass wir hier eben mit diesen traditionellen japanischen Taiko-Trommeln arbeiten wollten beziehungsweise, dass wir sie irgendwie in den Song einfließen lassen wollten. Armin hatte irgendwo in seinem Archiv eine Soundbank mit Taikos. Auf dieser Bank waren dann auch noch die Kommandoschreie dieser Trommler drauf, die wir so cool fanden, dass wir sie auch gleich noch mit einbauten. Wir fanden das Ergebnis sehr gut und ließen dann alles so stehen. Jetzt kann man getrost sagen, dass die Kommandoschreie und Trommeln die wesentlichen Elemente des Songs sind. Ob wir in Zukunft weiter auf dieses Stilmittel setzen, lassen wir mal offen. Einfach jetzt prinzipiell Trommeln in jeden Song einzubauen, macht ja auch keinen Sinn.

 

 

 

 

Wie viel persönlichen Bezug hat der Song Multitasker zu euch?

 

Daniel: Immer wenn man einen Text schreibt, werden eigene Erfahrungen oder Sichtweisen transportiert. Auch wenn der Song "Multitasker" sich mit direkter Kritik an diesem Trend zurückhält, kommt natürlich in der Art wie der Text transportiert wird, eine gewisse Abneigung zum Ausdruck. Und natürlich haben wir unsere Erfahrungen gemacht.

 

 

 

 

Wie multitaskingfähig seid ihr?

 

Daniel: Das kommt wahrscheinlich auf die Art der Arbeit an oder auf die Situation. Es gibt durchaus bestimmte Tätigkeitsfelder, in denen wir multitaskingfähig sind. Das sind die Tätigkeiten, die uns Spaß machen oder in deren Abläufen wir sowieso schon sehr gut sind. Aber wehe, da kommt dann etwas Neues oder etwas, dass sowieso keinen Spaß macht... Dann wird alles zur Qual. Also unterm Strich kann festgehalten werden, dass wir wahrscheinlich schon multitaskingfähig sind, es aber eben auch von den Tätigkeiten abhängt.

 

 

 

 

Was stellt euer Cover dar und welche Bedeutung hat es?

 

Daniel: Es wird eine Maschine oder ein Apparat dargestellt, der unter Strom steht und unter Volldampf kurz vorm abheben ist. Wir fanden die Idee sehr cool. Das Cover hat übrigens der Alex Fröbel - Pixelbreed - ausgearbeitet. Wir arbeiten jetzt schon seit 10 Jahren mit ihm zusammen. Einfach auch aus dem Grund, weil er gute und themenbezogene Arbeiten beziehungsweise Artworks abliefert. Er kommt auch aus der Elektro-/ Industrialszene... Hat hier ein Händchen für die spezielle Ästhetik...

 

 

 

 

Ihr werdet von euren Fans „German Bass Machine“ genannt. Im Song „Self fulfilling Prophecy“ ist viel von dieser Bezeichnung zu hören. Inwieweit hat die „German Bass Machine“ etwas mit einer selbsterfüllenden Prophezeiung zu tun?

 

Daniel: Als wir vor circa 10 Jahren anfingen die ersten deadcibel Songs zu schreiben, verschickten wir diese in unserem Bekannten- und Freundeskreis. Ich weiß nicht mehr, wer dann mit dem Begriff der "German Bass Machine" anfing... Die ganzen Chats verliefen damals sehr albern. Einer fing jedenfalls an mit "geiler Bass" und der nächste stieg darauf ein und auf einmal war Bass hier und Bass da... Und daraus entstand dann in diesem Chat der Nickname "German Bass Machine".... Irgendwann haben wir gesagt, dass wir diesen Namen auch mal in einem Song verarbeiten müssen. Daraus ist dann eben der Song "Self fulfilling Prophecy" entstanden. Der Text und Song sind aber mit einem Augenzwinkern geschrieben... Wir nehmen uns hier quasi selber ein wenig auf den Arm. Rein wissenschaftlich wird die Self fulfilling Prophecy ja in groben Zügen so erklärt, dass du zu dem wirst, was du dir als Selbstbild gibst und lebst. Also wenn du dich selbst als die German Bass Machine siehst, dies 24 Stunden und 7 Tage die Woche lebst, dann wirst du laut Theorie irgendwann wirklich die German Bass Machine sein. Wir fanden das damals relativ witzig. Ich habe, wie schon erwähnt, darüber einen Text geschrieben und Armin ein ziemliches Brett komponiert. Auf unseren Konzerten kam der Song immer gut an.

 

 

 

 

Was war mit [de:ad:cibel] euer persönlicher Höhepunkt?

 

Daniel: Das ist schwer zu sagen. Wir freuen uns ja schon wie kleine Kinder, wenn wir einen Song fertig haben, der uns gefällt... Aber Highlights waren mit Sicherheit unsere Konzerte in Russland. Leute, die für uns Geld ausgeben, die Texte mitgrölen und wie die Irren feiern. Das fanden wir beeindruckend. Auch aus dem Grund, weil wir ja sowieso nicht so präsent auf den Bühnen sind. Ein weiteren Höhepunkt stellt mit Sicherheit auch die Multitasker E.P. dar. Einfach deshalb, weil Armin überlebt hat und es die Band überhaupt noch gibt. Auf die E.P. haben wir die letzten Monate hingearbeitet. Dass dann alles so geklappt hat, freut uns und stellt einen Höhepunkt dar.

 

 

 

 

Wie sehen eure künftigen Pläne aus? Was kann man von euch musikalisch erwarten?

 

Daniel: In Absprache mit unserem Label werden wir in nächster Zeit nur E.P.´s releasen. Das zu schaffen, wird schon sehr viel Energie kosten. Ein komplettes Album bekommen wir derzeit noch nicht hin, beziehungsweise es würde sehr lange dauern, dieses produziert zu haben. Wir sind von der Arbeitsweise einfach noch nicht bei hundert Prozent. Armin ist immer noch beim Neulernen der ganzen Studiogeschichte. Viel von seinem Wissen ist einfach weg und er muss es sich neu erarbeiten. Das kostet Zeit. Aber ich kann sagen, dass er jedes Mal, wenn wir uns sehen, besser geworden ist. Geplant ist auf jeden Fall eine weitere E.P. in diesem Jahr. Diese ist fast fertig. Viele Leute fragen uns nach Auftritten. Aber auch hier sind wir vorsichtig und wollen nichts riskieren. Auftritte sind auch immer mit physischem und psychischem Stress verbunden, dem wir derzeit lieber aus dem Weg gehen wollen. Um dir Beispiele zu geben... Armin schafft es von der Physis derzeit nicht 60 Minuten lang zu stehen. Aber auch hier klappt es immer besser. Wir wissen auch nicht, wie sein Hirn auf Lichteffekte oder Strobo reagieren würde. Da sind wir einfach vorsichtig und wollen nichts überstürzen. Aber man muss auch der Fairness halber sagen, dass wir schon 2013 beschlossen, weniger Konzerte zu spielen. Also alles nur auf Armins Gesundheitszustand zu schieben wäre nicht richtig. Wir hatten also schon vor seinem Krankenhausaufenthalt beschlossen, dass wir uns mehr als Studioband sehen.

 

 

 

 

Wollt ihr zum Schluss noch etwas sagen?

 

Daniel: Vielen Dank für das Interview.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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