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1. – 3. 08.2019

(Fotograph - Nick Jungnitsch / Rechteinhaber der Fotos sind Relate)


 

Mit Relate

Redakteur: Roman Golub

 

 

 


Relate sind Patrick (Leadvocals, Keys, E-Violin, Gitarre), Mike (Drums), Lisa (Leadguitar, Keys, Backgroundvocals) und Lukas (Bass, Keys, Backgroundvocals). In einem Interview gaben Relate Auskünfte über ihr Album „Pictures“ und andere Themen rund um ihre Musik

 

 

 

 

 

Wie seid ihr zum Namen eures aktuellen Albums Pictures gekommen?


Bei Pictures haben wir versucht, Eindrücke, Emotionen oder eben auch Momentaufnahmen, hier als Bilder gedacht, mit Musik festzuhalten. Angelehnt an die alte Weisheit, ein Bild sage mehr als tausend Worte, sagt ein Song mehr als tausend Bilder, wenn jeder Moment für ein Bild steht und ein Song sich aus tausenden davon zusammensetzt. Oft haben auch visuelle Eindrücke die Idee zu den Lyrics gegeben oder die fehlende Metapher bereitgestellt. Pictures ist wie ein Zusammenschnitt von Nachrichtenbildern, wie er so oft in Sci-Fi-Filmen aus Hollywood vorkommt, nur nicht aus Eindrücken der Nachrichten, sondern aus Eindrücken zwischenmenschlicher Interaktionen.

 

 

 


Was hat sich im Vergleich als ihr noch zu dritt wart mit dem Zugang von Lisa musikalisch verändert?


Unser Universaltalent Mike war in der alten Besetzung Gitarrist, obwohl er im Herzen immer Drummer war. Auf unserer Suche nach einem Drummer mussten wir feststellen, dass kein Kandidat die nötige musikalische Qualität hatte, unserer Audio-Software in nichts nachzustehen - und das auch noch auf einem e-Drum, das wir aus Gründen der klanglichen Variabilität vorausgesetzt hatten. Als uns klar wurde, dass nur Mike unsere Vorstellungen erfüllen können würde, haben wir ein Gastspiel mit unserem mitreisenden Fan Lisa organisiert, die in einer anderen Band Gitarristin war.

 

Wir bemerkten schnell, dass sie menschlich gut mit uns harmoniert und mit hoher Bereitschaft, Blut und Schweiß in die Musik zu investieren, eine gute Figur in der Band machen würde, also haben wir sie nach ihrem Interesse gefragt und erfahren, dass sie ohnehin darauf gehofft hatte. Alle zufrieden, alles gut. Interessanterweise sind tatsächlich schon Backgroundvocals von Lisa auf Pictures, obwohl das Album vor ihrem Eintritt produziert wurde, da sie als Gastmusikerin ein paar Parts eingesungen hat.

 

Insgesamt haben wir uns innerhalb des letzten Jahres, also seit ihrem Neuzugang, stark weiterentwickelt. Die Songs sind variabler geworden, besonders in Mikes Rhythmusabteilung, und der Sound hat sich qualitativ stark verbessert, da wir nicht nur auf technischer Ebene dazugelernt haben, sondern auch an den Instrumenten. Sänger Patrick konnte in dieser Zeit deutlich an Variabilität, Range und Ausdruck arbeiten, was natürlich besonders live einen großen positiven Sprung im Vergleich zum Album bewirkt. Lisa und Luke haben sich aufeinander einspielen können und gehen deutlich mehr nach vorne, was die Bühnenpräsenz der ganzen Band voranbringt.

 

Im Nachhinein stellen wir also fest, dass die Umstellung auf eine Viererbesetzung der richtige Schritt war - und das Wachstum der Band seit dieser Entscheidung gibt uns recht. All diese Prozesse enden natürlich nie, also sind wir gespannt, wie weit wir kommen können, und gehen immer weiter.

 

 

 

 

 

 

(Foto Lisa - Fotograph: Kommodore Johnson / Rechteinhaber der Fotos sind Relate)

 

 

 

 


„Pictures“ ist im Juni 2018 erschienen. Arbeitet ihr schon an einem neuen Album?


Wir haben im letzten Jahr einiges geändert und vieles dazugelernt und werden im Laufe des kommenden Jahres eine größere Kampagne mit einem aufwändiger produzierten Studioalbum starten, das dann die beliebtesten Songs der beiden Eigenproduktionen Talking Circles und Pictures, sowie einige neue Songs, als "erstes Studioalbum" auf den großen Markt, also auch in die Offline-Stores, bringen wird, so dass sie dann endlich klingen, gespielt und gesungen werden, wie wir sie immer im Kopf hatten.

 

 

 


Wie vereinigt ihr die verschiedene Musikstile Indie/ Synthpop/ Rock?


Gar nicht. Wir machen einfach Musik, die drei Kriterien erfüllen muss: Sie muss uns gefallen, sie muss dem Publikum gefallen und sie muss etwas transportieren. Unsere Quote beim Verwerfen von Songs ist dramatisch hoch, weil es nur Songs, denen wir alle drei Kriterien zutrauen, auch auf die Bühne schaffen. Dass daraus Indie, Synthpop und Rock wurde, ist eher evolutiv zu verstehen; Wir machen einfach Musik und zielen dabei auf nichts als unseren eigenen Sound ab, während die Hörer uns das Label geben.

 

Indie, Synthpop und Rock sind die drei Begriffe, die am häufigsten genannt werden, also haben wir sie übernommen. Wir haben auch schon Wave, Gothic, Metal, Pop, Hardrock, Punk und Electronica gehört. Eigentlich müssten wir unser Genre "80er" nennen, weil das der einzige Begriff ist, der auf absolut jeder Show fällt, nur ist das nicht wirklich ein Genre. Aufräumen ist nicht unser Ding, also machen wir einfach und lassen dem Hörer die Freiheit des Einsortierens.

 

 

 

 

 

 

 

(Foto Luke - Fotograph: Kommodore Johnson / Rechteinhaber der Fotos sind Relate)

 

 

 

 


Wieviel Routine habt ihr bei euren Live-Konzerten? Ihr habt ja schon an die 100 Live-Gigs hinter euch? Ich habe euch schon zweimal live gesehen, einmal im Februar 2019 bei der Metal for Mercy, Gothic Night – in Witten und das zweite Mal im August 2019 bei den Bismarcker Rocktagen 2019. Bühnentechnisch wisst ihr - so glaube ich - schon, wo es langgeht.


Mittlerweile ein ganzes Stück über 100 sogar, nur natürlich nicht alle vier von uns. Patrick ist als Sänger die eine Position, die bei Ausfall ersatzlos ist, also hat er auch die meisten Shows gespielt. Lisa als neuestes Bandmitglieder dann entsprechend die wenigsten, allerdings kam auch sie zum Zeitpunkt dieser Antwort bereits auf 44 Shows innerhalb eines Jahres und wird bei Veröffentlichung dieses Interviews mindestens 51 gespielt haben.

 

Es freut uns sehr, dass dir unsere Shows auch in Sachen Bühnenpräsenz gefallen haben, denn genau das war lange unser Problem. In der Anfangszeit der Band haben wir immer wieder gehört, dass die Musik interessant und abwechslungsreich sei, die Show aber langweilig und statisch. Seit ungefähr eineinhalb Jahren hören wir solche Dinge nicht mehr und seit diesem Jahr Gegenteiliges, was uns wirklich sehr freut. Wir haben viel an unserem Auftreten gearbeitet und da geht noch einiges mehr in Zukunft.

 

 

 


Welche Bedeutung steckt hinter eurem einheitlichen Bühnenoutfit? Ihr bezeichnet euch als gut gekleidet.


"Spielst du nicht in der Band mit dem Typen mit den blauen Haaren?" Dieser Spruch ging unserem Sänger nicht aus dem Kopf, da er vor Relate in einem Electrorock/Indiepop-Duo gespielt hat, in dem sein musikalischer Partner auffallende, blaue Haare hatte. Irgendwann wurde Patrick in der Stadt von einem Unbekannten erkannt und mit der oberen Frage angesprochen. Der Mensch ist doch ein Augentier - wie neben etlichen Biologen auch Till Lindemann schon sang. Wir brauchten für Relate dringend ein visuelles Wiedererkennungsmerkmal, das keinem eine Persönlichkeit aufdrückt, die er nicht hat, und gleichzeitig sofort im Gedächtnis bleibt. Ein paar Fans, die wir vor Relate nicht kannten, erscheinen immer wieder mit unseren roten Accessoires zu Shows. Die schwarze Szene ist geschockt von unseren weißen Hemden und will nicht hinhören bis der erste Ton fällt; anschließend werden wir aufgrund eben dieser Diskrepanz immer wieder darauf angesprochen, dass unser Outfit gerade in der schwarzen Szene eine gute Idee sei, da es mit so ziemlich allen Erwartungen bricht. In dieser Sache sind wir uns nicht sicher, ob wir eine Variation für die Szene einführen sollten, um potentielle Hörer nicht vor dem Hören schon von uns zu distanzieren, aber das ist ein anderes Thema. Auf der Berlinale funktionierte das Outfit, auf Rockfestivals funktionierte es und auf Szeneveranstaltungen funktionierte es: Dem einen gefällt es, dem anderen gefällt es nicht, aber alle behalten es in Erinnerung. "Ey, ohne rote Krawatte kommst du hier nicht durch." fiel vor einem halben Jahr auf dem Gelsenkirchener Feierabendmarkt - Mission erfüllt.

 

 

 

 

 

 

(Foto Mike - Fotograph: Kommodore Johnson / Rechteinhaber der Fotos sind Relate)

 

 

 

 


Welche Bedeutung hat euer Bandname?


Wie man im Theater sagt: "Wer nichts zu sagen hat, sollte nichts sagen." Es geht um das Verb "(to) relate", denn es hat zwei Bedeutungen: Ohne folgendes "to" ist es ein Synonym von "(to) tell", nur etwas tiefergehend, emotionaler und detaillierter. Mit folgendem "to" bedeutet es, dass man die Beziehung zu etwas herstellen kann, es nachempfinden oder sich damit identifizieren kann. Es heißt also einerseits "emotional erzählen oder lebhaft berichten" und andererseits, dass eben diese Erzählweise auch gewirkt hat. Wir wollten immer etwas transportieren, eine uns am Herzen liegende Aussage, Wahrheit oder Geschichte erzählen, die auch anderen etwas geben kann - das sollte schon der Bandname sagen.

 

 

 


Wie ist euer Longplayer „Pictures“ entstanden?


In Eigenregie aufgenommen, produziert und gemischt. Wir haben über die Zeit eine Menge Studioequipment ansammeln können, wobei damals noch der größte Teil digital ablief. Im Analogbereich haben uns einige nette Menschen geholfen, so zum Beispiel die Band Unplaces, die uns ein Röhrenmikrofon geliehen hat, oder der Tontechniker Karel Noon, der uns mit Know-How versorgt hat. Das Mastering entstammt einem Onlineanbieter, dessen Namen wir aufgrund mäßiger Zufriedenheit nicht nennen. Das "erste Studioalbum" von dem zuvor gesprochen wurde, wird durch ein weltbekanntes externes Studio gemastert, was die Qualität enorm erhöhen sollte. Namen dürfen wir noch nicht nennen.

 

 

 


Ich möchte eure Texte als anspruchsvoll bezeichnen, damit meine ich, dass man sich genauer damit auseinandersetzen muss. Wie geht ihr generell beim Songwriting vor? Ihr laßt ja einigen Interpretationspielraum.


Der Spielraum ist mal größer und mal kleiner, denn entweder geht es tatsächlich um diese emotionalen Momentaufnahmen, von denen zuvor gesprochen wurde und die jeder Mensch anders erlebt, oder um tatsächlich konkrete Geschichten, die so passieren könnten oder sogar passiert sind. Grundsätzlich gilt immer die Vorgabe, die Idee hinter dem Bandnamen umzusetzen. Bedeutet der Song Patrick nichts, kann er ihn nicht ehrlich interpretieren - "Wer nichts zu sagen hat, sollte nichts sagen." Jeder Songtext befasst sich mit etwas, das ihm wirklich wichtig ist, denn man kann nur transportieren, was auch existiert. Schauspielerei ist nicht unser Metier, also müssen wir ehrlich sein und meinen, was wir singen. Musik ist die beste Medizin, auch schlechte Erfahrungen zu verarbeiten, also nutzt man sie und verschwendet sie nicht seicht und ohne Aussage.

 

 

 

 

 

(Foto Patrick - Fotograph: Kommodore Johnson / Rechteinhaber der Fotos sind Relate)

 

 

 

 


Wovon handelt der Song Fourteeen Billion Years? Was hat es mit den großen Jahreszahlen „Fourteen Billion Years/ „Another twenty Billion Years“ auf sich? Wie ist der Gedanke entstanden, Zombies mit in den Song einzuarbeiten? Wie kam es zur Umsetzung in das Videoformat?


Unsere Gesellschaft hat sich angewöhnt, alles so zu machen, wie man es macht, weil man es nun Mal so macht. Geh zur Schule, damit du möglichst "erfolgreich" wirst und viel Geld verdienst in deinem Bürojob, denn da musst du dich ja nicht mal bewegen für dein Gehalt. Geh lange und viel arbeiten, damit du mehr Geld hast, um dir das Haus zu kaufen, das man im Alter dann langsam mal haben sollte, und zahl schön in die Rentenkasse ein. Sei ein guter Rentner und investiere in die nächste Generation, dein Leben und deine Bedeutung für die Gesellschaft sind ohnehin nur noch das Wählen einer konservativen Partei, damit auch schön alles so bleibt und deine Kindeskinder gesichert so erfolgreich werden können wie du. Und dann macht es bitte alle, in dieselbe Richtung und schön ohne Fragen. Zombies.

 

Wir haben einen starken Wissenschaftsbezug im Privatleben, besonders Patrick als Biologe und Humanist und Mike als Hobbyastronom. Fourteen Billion Years, also vierzehn Milliarden Jahre, sind die Zeitspanne, die nach Meinung der meisten Astrophysiker seit dem Urknall vergangen ist. Astrophysiker und Mathematiker meinen zu erkennen, dass die Physik uns sagen kann, wie lange das Universum noch existiert: Zwanzig Milliarden Jahre. Zusätzlich haben wir absolut keinen Bezug und äußerst wenig Sympathie gegenüber esoterischen oder sonst irgendwie übernatürlichen Gedankenkonstrukten, weshalb vor und nach dem Tod für uns dasselbe ist. Diese Einstellung ist aus unserer Perspektive absolut kein Grund, traurig und niedergeschlagen zu sein, sondern das genaue Gegenteil, denn für Niedergeschlagenheit haben wir einfach keine Zeit - Carpe Diem. Wenn der Song also sagt "I've been dead for fourteen billion years and in the meantime I control the gears. I'll be dead for another twenty billion years to come. That's why I run." dann will er sagen: "Ich war schon mal vierzehn Milliarden Jahre tot und werde es nochmal zwanzig Milliarden Jahre lang sein, bevor ohnehin alles endet, also nutze ich das kleine Fenster in dem ich da bin, um kein Zombie zu sein."

 

Zum Video kam es, als wir auf der Suche nach einer Kampagne waren, die uns viel Spieldauer im Radio garantiert, denn leider kann nur eine wirklich gute Idee heutzutage Erfolge versprechen, wenn man keine Unsummen an Geld in die Hand nimmt oder wichtige Entscheider kennt. Unser Bassist Luke wollte aufgrund des Textes ohnehin Fourteen Billion Years ins Radio bringen, da passte es sehr gut, dass Patrick vom Essener Halloween-Event "Zombiewalk" erfuhr. Eine Nachricht an den Veranstalter, der begeistert auf eine Kooperation reagierte, und die Grundidee stand fest.

 

Sehr viele Menschen haben auf die eine oder andere Weise mitgewirkt und ein wirklich tolles Video auf die Beine gestellt, das von "45XXX Street Productions" gefilmt und von Patrick am heimischen Laptop geschnitten und produziert wurde. Am Ende fuhr Fourteen Billion Years nach einem Einstieg von Null auf Eins zehn erste Plätze in den Ruhrcharts, den Hörercharts der Lokalradios im Ruhrgebiet, ein, blieb vier Monate in den Top 20 und verabschiedete sich erst nach einem halben Jahr aus der Liste. Die nächste so vielversprechende Idee lässt sich nicht erzwingen, wird aber bestimmen, wann das nächste Video kommt.

 

 

 

Was steckt hinter dem Song „Saturn V“? Ist da das Fernweh thematisiert?


Tatsächlich eher nicht. Saturn V war der letzte Song, der es noch auf das Album geschafft hat. Eigentlich war die Produktion von Pictures schon fertig, aber Mike fand Saturn V so gut, dass Patrick und seine Freundin Lavi noch zwei Tage vor Abgabetermin Lyrics für den Song geschrieben haben. Beide haben sich kurz vorher zusammen den Film "Life" im Kino angesehen und das äußerst verstörende Ende voller Verzweiflung über die Unabwendbarkeit einer schlimmen Situation hat beide auf empathischer Ebene sehr bedrückt. Dieses Gefühl der Unabwendbarkeit sollte eins zu eins in den Text einfließen, denn, wie zuvor oft gesagt, emotionale Momentaufnahmen sind der Kern des Albums, also blieb die Metapher dieselbe wie im Film - nur in die andere Richtung. So fliegt die Saturn-V-Rakete aus der im Text erzählten Geschichte kurz vor dem Ziel am Mond vorbei und driftet ins Nichts - eine der schlimmsten ausweglosen Situationen, die Patrick sich für einen einzelnen Menschen vorstellen kann.

 

 

 


Wieviel Gesellschaftskritik steckt in „Gold Rush Symphony“ Es geht da u.a. um verschwendete Kindheit.


Sehr, sehr, sehr viel. Fourteen Billion Years und Gold Rush Symphony sind klare Kanten gegen den gesellschaftlichen Status Quo. Gold Rush Symphony ist reine Kapitalismuskritik. Jedes Kind ist gleich: Neugierig, aufgeweckt und mit großen, unreifen und kindlichen Träumen, deren Erfüllung Erwachsene für kindischen Blödsinn halten. Mit der Zeit gehen fast alle Menschen diesen Weg, weil die Gesellschaft uns dazu zwingt, zu passen. Keine Arbeit, kein Luxus; kein Luxus, kein Status; keine Staus, keine soziale Anerkennung und keine Freunde. Für uns sind Freunde und Reichtum etwas anderes. Dieser Song soll uns selbst auch immer wieder und bis zum Ende unserer Tage daran erinnern, dass wir nicht unsere Kindheitsträume verkaufen, um "erfolgreich" zu sein. Wer Glück über wirtschaftlichen Erfolg definiert, wer Bankangestellter wird, wer als Kassierer endet, wer Bürokrat wird, hat das kleine Kind betrogen, das er mal war. Wir leben in einer Gesellschaft, in der man eigentlich nicht mehr arbeiten müsste und sein Leben genießen könnte, wenn wir einfach teilen würden und genügsam wären. Es mag utopisch sein, aber wer nicht mehr träumt, hat schon den Weg weg von seinem inneren Kind betreten.

 

 

 

 

 

 

(Fotograph - Nick Jungnitsch / Rechteinhaber der Fotos sind Relate)

 

 

 

 

 

Wieviel eines Lovesongs steckt in „Palette“?


Absolut alles. Palette ist eine wahre Geschichte, die genau auf diese Weise passiert ist. Patrick hatte eine Beziehung, die von Anfang an nicht klar definiert war, aber beiden Seiten sehr viel Freude gebracht hat. Zumindest dachte er das. Irgendwann musste er feststellen, dass sie eine Affäre hatte: Ihn selbst. Er hat sich mit klassischen Versprechen, sich auf ihn festzulegen, hinhalten lassen, was furchtbar war. Irgendwann kam seine jetzige Partnerin in sein Leben und sagte ihm kurz vor Beginn ihrer Beziehung: "Wenn du die Wahl zwischen zwei Dingen hast, nimm immer das Zweite, denn, wenn das Erste gut gewesen wäre, hättest du die Wahl nicht." Patrick beendete die unglückliche Beziehung, um nicht zweigleisig zu fahren, wie seine Ex es tat, und seiner jetzt fünfjährigen, glücklichen Beziehung die Tür zu öffnen. Palette erzählt von dem Moment im Auto, in dem er seiner Ex sagte, dass es vorbei sei. Sie gab ihm mit auf den Weg, dass er sich immer bewusst sein solle, dass seine neue Partnerin nur die zweite Wahl war, und er antwortete, dass genau diese Tatsache der Grund für die Trennung sei, da die zweite Wahl zählt. Daher fällt im Text zweimal "The second choice counts".


Auffallend ist, dass ihr in „Pictures“ zwischenmenschliche Beziehungen thematisiert. Ihr singt häufig in der „You and I“ - Ebene. War das für euch ein wichtiges Anliegen?


Auch hier ist es wieder die Prämisse der Band: Transportiere etwas oder schweige. Nur auf der persönlichen Ebene kann man etwas wirklich ernst meinen. Gerade als äußerst rationaler, humanistischer und wissenschaftlicher Mensch kann Patrick es nur so meinen. Ein Song über Klimaschutz würde erst dann wirklich ehrlich und emotional tief, wenn die Klimaveränderung eine ganz persönliche Tragödie verursacht hat - alles andere ist aufgesetzt. Also gibt es auch noch keinen Song über den Klimawandel bei Relate, was hoffentlich so bleibt.

 

 

 


Wollt ihr zum Schluss noch etwas sagen?


Besucht uns live, quatscht mit uns, nehmt vielleicht ein Album mit, aber tut ansonsten was Ihr möchtet, solange Ihr niemand anderem schadet. Seid frei, gönnt anderen die Freiheit, seid nur an Halloween Zombies, fragt zwischendurch euer inneres Kind nach seiner Meinung und vergesst nicht ein wenig Humor in eurem Leben. Das wär's dann auch :)

 

 

Danke für das Interview

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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