EISBRECHER - Jahresabschlusskonzert
am 16.12. 2017 in der Turbinenhalle / Oberhausen!
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DIE "HÖRSPIEL-SCHLÄFERZELLE"


Lange Zeit galt FANDOM HOUSE als undurchsichtiges Hörspiel Phänomen, man wusste nichts über die Entstehung oder den Produzenten, man hörte nur dubiose Sagenumwobene Legenden, die im Netz kursierten. Eine professionelle Produktion, gepaart mit spannenden Geschichten und wirklich guten Sprechern, dazu die ungewöhnlichen Cover im Collagen Pulp Style, zeichnen die Produktionen von FANDOM HOUSE aus! Nun ist es endlich gelungen DEN MACHER und KOPF hinter FANDOM HOUSE zu befragen.

 

 


Wie und wann entstand das Projekt FANDOM HOUSE?

Das Projekt entstand im Herbst 2013 unter höchst konspirativen Umständen in einem finsteren Hinterhof einer mitteldeutschen Großstadt. Mark Daniel, mein damaliger Kompagnon und meine Wenigkeit sind Hörspielfans seit Kindertagen. Er stammt aus den alten Bundesländern, während ich mit den Produktionen des ehemaligen DDR-Staatslabels Litera aufgewachsen bin. Da ergaben sich unsere kreativen Schnittstellen. Ich persönlich verstehe Fandom House als eine Art Piratenlabel, welches guerilla-artig in den Tiefen des Netzes agiert und dann ganz plötzlich und unverhofft ein neues Hörspiel raushaut, wenn keiner damit gerechnet hat. Irgendwo stand mal was von "Hörspiel-Schläferzelle". Gefällt mir. Entscheidend ist, dass wir keinerlei kommerzielle Interessen verfolgen. Hörspielfans machen Hörspiele für Fans. Einfach so.

 

Wer steckt hinter FANDOM HOUSE?

Fandom House verdankt seine Existenz einer ganzen Gruppe von Leuten, die alle wichtig sind. Da gibt es nicht nur die Sprecher, sondern auch jemand wie Kai Kauerhof mit seinem Aufnahmestudio, und ein anderer Kumpel hilft uns bei der Homepage. Thorsten Giese, der so etwas wie unser Hans Paetsch ist, möchte ich noch mal besonders erwähnen, ohne ihn hätte das alles so nicht funktioniert. Und Mark Daniel natürlich, der aber inzwischen seine eigenen Wege geht. Mittlerweile laufen die Fäden bei mir zusammen. Nennt mich… Jörg, Klaus oder Uwe. Ich will meinen richtigen Namen nicht nennen. Für mich zählt nur die Sache, nicht meine Person.

 


Bitte erzähl uns etwas über dein Sprecher Ensemble!

Mark Daniel verfügt über sehr gute Kontakte zur lokalen Theaterszene, so dass wir plötzlich das Privileg hatten, mit ausgebildeten Sprechern arbeiten zu können. Ich denke bei der Rolle des Prof. Bambridge (Thorsten Giese) oder des Ira Kinsley (Günther Schoßböck) aus "Séance" hört man das auch. Es ist großartig, dass auch solche "Profis" sich mit der Fandom House-Idee identifizieren und diesen ganzen Irrsinn mitmachen. Andere Sprecher wiederum sind absolute Anfänger und haben noch nie vor einem Mikro gestanden. Die lassen wir dann miteinander spielen, unglaublich, was da zum Teil passiert. Ich kann unseren Sprechern - den Profis wie den Laien - nur immer wieder meinen Respekt ausdrücken. Einige Mitwirkende haben wirklich eine fantastische Wandlung durchgemacht, z.B. unsere Maike Beilschmidt, die sich von der Neben- zur Hauptrollensprecherin gemausert hat, oder Ralf Donis, oder auch Mark Daniel selbst. Gerade habe ich mit Günther Schoßböck, Dietmar Voigt und Raschid D. Sidgi Aufnahmen gemacht, das sind Leute mit Bühnen- und Fernseherfahrung. Die haben das nicht einen Moment raushängen lassen, sondern haben alles gegeben für unser kleines Popelhörspiel… ich liebe alle unsere Sprecher.

 

 

 

 


Plaudern wir doch ein wenig über deine Produktionsweise (Ensemble Aufnahmen, Technik u.s.w.)

Sobald ein Thema ausgewählt und ein Skript geschrieben ist, machen wir eine gemeinsame Leseprobe. Das ist uns sehr wichtig, ich bin selber immer wieder überrascht, wie sehr das den endgültigen Charakter der Rolle noch beeinflusst. Die persönliche Chemie zwischen den Sprechern muss einfach stimmen. Manchmal fast schon zu sehr: Als wir für "Das Buch des Ra" bei mir zu Hause geprobt haben und Maike ihre Kampfszene hatte, riefen besorgte Mitbürger über den Hof herüber und fragten, ob alles okay wäre. Die dachten, wir wollten ihr an die Wäsche.

Wenn auch das überstanden ist, geht es ins Studio, auch da bemühen wir uns sehr, alle Sprecher persönlich miteinander agieren zu lassen. Das klappt aus Zeitgründen nicht immer. Tja, und anschließend kriege ich den ganzen Bandsalat auf den Tisch und ich darf mich dann da durch wühlen. Das kann sehr kleinteilig werden, macht aber richtig Spaß, wenn du merkst, dass alle ihre Rolle richtig getroffen haben und sich alles ineinanderfügt, wenn es "tanzt", wie man so sagt. Da kann es schon mal vorkommen, dass ich nachts um drei mit Kopfhörern auf den Ohren das Fenster aufreisse und vor Freude herzhaft in den Hof brülle. Seitdem bin ich in der Nachbarschaft total unten durch…

 


Was bedeuten Hörspiele für dich und warum produzierst du sie?

Ich bin wie viele damit aufgewachsen, allerdings war ich kein Kassettenkind, sondern ich bekam durch meine Mutter die DDR-Hörspiele auf Schallplatte. Die konnte man damals in Bibliotheken ausleihen, so wie heute ja auch. Vor ein paar Jahren hab ich meine alte Litera-Sammlung durch neue Produktionen, aber auch altes Europa-Zeugs wie die Neon-Gruselreihe und Karl May ergänzt. Es gibt so viele fantastische Sachen, aber auch viel… Murks. Ich steh auf Murks! Gerade diese Sachen laden einen durch ihren charmanten Dilettantismus geradezu ein, es auch mal selbst zu versuchen.

 

 

Bitte erzähl uns etwas über die großartigen Covers der FANDOM HOUSE HÖRSPIELE

Vielen Dank. Wir stehen auf diesen altmodischen Pulp-Stil, und ich durchforste ständig das Netz nach Motiven, die dann zerschnippelt und collagenartig neu zusammengesetzt werden. Schön, wenn es gefällt. Die Künstler, die wir da beklauen, sind größtenteils schon viele Jahre tot. Ich muss zugeben, ich habe mich beim Schreiben auch schon von grafischen Motiven leiten lassen, z.B. beim "Buch des Ra".

 

 

Wie erklärst du dir den großen Erfolg von BAMBRIDGE & SHOLTO?

Danke, das ist nett gemeint, aber ich persönlich halte B&S nicht für sehr erfolgreich. Die Zugriffszahlen halten sich in Grenzen, die Leute fahren da doch eher auf die Horror- und Gruselthemen ab. Allerdings haben uns die Bambridge-Folgen am meisten Spaß gemacht, ganz klar. Die Figuren sind uns einfach ans Herz gewachsen, da wird richtig hart gestritten, wie es mit denen weitergehen könnte. Mal schauen.

 

 

Worauf können sich die Fans in Zukunft freuen?

Na ja, die wilden Sturm- und Drangzeiten sind ein bisschen durch, möchte ich sagen, wir haben ja sechs oder sieben Dinger abgeliefert. Momentan ist etwas in der Pipeline, das wird hoffentlich sehr schön, wenn es denn endlich fertig wird. Eigentlich ist das Erscheinen für Herbst geplant, aber das ist so ein dehnbarer Begriff. Und Mark hat ja jetzt sein eigenes Label, "Ear Port Leipzig", da kann man ja mal reinhören.

 

 

Hast du Tipps für angehende Hörspiel Macher?

Macht die Schule fertig, Hände weg von Drogen und findet Nemo!

 

 

Wie bewertest du die momentane kommerzielle und unkommerzielle Hörspiel Szene?

Solche Fragen stellt man lieber den Ohrcast-Jungs, die sind da wohl am ehesten kompetent. Das meiste, was so im Netz abgefeiert wird, kenn ich gar nicht so. Ich persönlich finde, dass wir trotz Labelsterben und Kulturkrise in einer privilegierten Situation sind. Der deutschsprachige Hörspielmarkt ist der vielseitigste und größte der Welt. Wir haben tolle Autoren, Sprecher, Regisseure und Studios, da ist kein Ende in Sicht. Freuen wir uns drüber.

 

 

 

 

 

 

Wie kommen die jetzt neugierig gewordenen Leser an die FANDOM HOUSE Hörspiele?

Wer Bock hat, auf www.fandomhouse.de gibt es alle Hörspiel kostenlos zum Download.

Ich bedanke mich herzlich und wünsche weiterhin viel Erfolg mit FANDOM HOUSE!

Alles klar, Danke auch an Dich! Ciao!

 

FANDOM HOUSE im Web 

 

 

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